Static Site CMS oder Wordpress - Und wie mache ich das mit mehreren Geräten?

Okay, das geht jetzt noch nicht so in die Vollen; aber ich hatte ja angedroht, dass ich mich hier viel mit IT-Themen beschäftigen will. Was bietet sich da mehr an, als die eigenen Erfahrungen zu verarbeiten?
Genau: Nichts
In diesem Sinne... 

Fangen wie mal vorne an und klären ein paar Begriffe und Namen.
Wordpress... Gehört hat das sicher jede/r schon mal, sofern man sich in Blogs rumtreibt. Ursprünglich war Wordpress mal eine reine Blog-Plattform und hat sich über die Jahre nun zu einem ausgewachsenen Content Management System gemausert, das auf ein gigantisches Ökosystem an Themes/ Designs, Plugins und auch Dienstleister zurückgreifen kann. Genau das ist eines meiner Probleme mit dem System, aber dazu später.

Static Site CMS ... den Begriff musste ich auch erstmal verdauen, aber dahinter steckt eine ganz einfache Überlegung. Eine statische Seite ist nacktes HTML, vielleicht mit etwas CSS und JavaScript, damit es sich nicht ganz wie 1990er anfühlt. Ja, auch die drei Begriffe erkläre ich euch gleich. Reines HTML hat den Vorteil, dass es erstmal nichts anderes als Text ist. Keine Formatierungen, keine Farben, einfach nur Zahlen, Buchstaben und ein paar Satzzeichen. Dateien mit reinem HTML sind rasend schnell zwischen meinem Server und eurem Gerät übertragen. Das optische Aufbereiten übernimmt dann euer Browser (Firefox, Chrome, etc) nach den Regeln, die mit der HTML-Datei stehen oder separat in der CSS-Datei. Und die Datei liegt genau so auf dem Server, wie sie auch bei euch ankommt. Als würdet ihr einen Flyer aus einem Ständer nehmen. Zum Vergleich: Wordpress enthält alle Inhalte in einer Datenbank auf dem Server. Die bekommt euer Browser aber nicht, da der eh nur HTML vernünftig verarbeiten kann. Also muss ein Wordpress erst die Daten aus der Datenbank holen, eine reine HTML-Datei daraus bauen und die dann an euch liefern. Das fiel bei mir zwar in der Praxis kaum auf, ist aber deutlich mehr Arbeit für den Server und kann, je nach Größe der gesamten Seite, auch schon mal später zu merklichen Verzögerungen führen. Oder zu Fehlern... Um in meinem Flyer-Vergleich zu bleiben: Wordpress zeigt euch, welche Flyer verfügbar wären, und druckt sie jedes Mal neu für euch aus.

Noch schnell die letzten drei Begriffe zum Erklären und euch endgültig zu verwirren:
HTML - Das ist das Grundgerüst aller Websites. HTML steht für Hypertext Markup Language und bezeichnet eine Struktur und Befehle, die um den Inhalt der Website gepackt werden, um die Formatierung und das Layout zu beschreiben und auch andere Elemente als Text in die Darstellung einzubinden.
CSS - Steht für "Cascading Style Sheet" und bietet deutlich mehr und flexiblere Formatierungsoptionen als das reine HTML.
JavaScript - Meinetwegen kürzen wir das mit "JS" ab. Hierbei handelt es sich um eine Programmiersprache im engeren Sinne, die in HTML-Seiten eingebaut werden kann. Damit lassen sich allerhand Dinge tun, die mit dem reineweg darstellenden HTML und CSS gar nicht möglich sind. Das gute an JS ist, dass es dann auch komplett von eurem Browser verarbeitet wird und keine Daten mit dem Server ausgetauscht werden müssen.


So, genug mit dem trockenen Unterricht. Was bringt so ein Static Site CMS jetzt, dass ich hier so ein Fass aufmache?

Für euch in erster Linie die Gewissheit, dass meine Site euch nicht ausspioniert. Es gibt hier keine Cookies - darum auch keinen von diesen nervigen Hinweisen, die eh keinen interessieren. Hier wird nichts an Facebook oder Google oder sonst wen übertragen - Zumindest nicht von meiner Site ausgehend. Was eure Geräte von sich aus machen, kann ich nicht beeinflussen.

Für mich bringt das aber eine ungewohnte Arbeitsweise.
Ein Static Site CMS wie das von mir jetzt genutzte Publii (keine Werbung) läuft erstmal nur auf dem heimischen Computer. Hier erstelle ich die einzelnen Posts und Seiten und lasse sie dann vom Tool auf den Server laden.
Da liegt auch schon die große Herausforderung: Bei Wordpress liegen die Daten allesamt, ob nun fertige Posts oder Entwürfe, auf dem Server. Zentral gespeichert, ohne Unterschied, mit welchem Gerät ich nun grade arbeite. Die Server-Variante ist natürlich sehr komfortabel.
Mit Publii musste ich ein paar Klimmzüge machen und die eigentlich lokalen Dateien in die Cloud verlagern, damit ich von jedem Gerät aus dran komme. Soweit, so gut; immerhin gibt es Cloud-Clients für so ziemlich jedes Betriebssystem und mein geliebtes Chromebook setzt sogar von Haus aus primär auf Google Drive. Aber: Das Tool Publii gibt es nicht für Chromebooks.

Jetzt hatte ich also eine Idee, wie sich mein Kessel hier künftig technisch darstellen soll, konnte aber nicht mit meinem primären Gerät damit arbeiten. Windows auf dem Chromebook installieren geht technisch nicht bzw nur mit ordentlichen Kniffen, auf die ich keine Lust hatte. ChromeOS ist immerhin schön schlank und nicht so ein Schlachtschiff wie Windows. Aber Chromebooks haben ja für so ziemlich alles ein As im Ärmel. In meinem Fall war das der Linux-Container und Publii gibt es zum Glück auch für Linux. Blieb mir nur noch herauszufinden, wie man Google Drive mit dem Container verknüpft, und das war in 30 Sekunden Googlen erledigt.
Somit hatte ich nun also meine gesamten Publii-Daten in der Google Cloud und zwischen allen meinen Geräten synchron.


Ein weiterer Vorteil neben der Geschwindigkeit und der gesteigerten Beachtung der Privatssphäre hat das ganze aber noch einen Vorteil, auf den ich vor einiger Zeit in der vorigen Fassung vom Kessel schon mal eingegangen bin.

Wir sind als "Publizierende" mittlerweile sehr stark von Plattformen von Unternehmen abhängig. Facebook und Twitter als Veröffentlichungswege oder - grade Facebook - als der Ort, an dem unsere Inhalte aufbewahrt werden. Sollte sich ein Unternehmen hinter einer solchen Plattform entschließen, dass unsere Inhalte oder wir selbst nicht willkommen sind oder man damit direkt Geld verdienen wollen, gucken wir ziemlich in die Röhre. Wohl denen, die sich nicht allein auf die Plattformanbieter verlassen. Meine Site kommt von einem gemieteten Webspace bei einem Hoster, für den ich monatlich ein paar Euro zahle aber dafür einen ordentlichen Vertrag habe und keiner Plattform irgendwelche Rechte abtreten muss.

Ja, auch Wordpress läuft auf dem eigenen Webspace, im Normalfall. Das Unternehmen hinter Wordpress, Automattic Inc., bietet zwar auch eine Plattform an, die mit verschiedenen Tarifen auch mal Geld kostet, aber die braucht es nicht unbedingt. Das Problem ist: Dadurch, dass Wordpress kostenlos verfügbar ist, haben wir kaum Handhabe gegen das Unternehmen, wenn sie sich zu komischem Verhalten mit unseren Wordpress-Sites entschließen. Technisch möglich wäre das.
Mit einer Static Site haben wir die Inhalte direkt in Dateiform auf dem Webspace liegen und können sie mit dem nötigen technischen Wissen auch in andere Systeme übertragen.
Und: Wordpress jubelt euch von Haus aus Cookies und weiß der Geier was noch unter. Es läuft zwar millionenfach aber das macht es einfach nicht besser. Um den geltenden gesetzlichen Bestimmungen (DSGVO und Co.) gerecht zu werden, muss man Wordpress mit Plugins erweitern. Die Anbieter der Plugins haben aber natürlich auch ihre Aufwände und wollen sich das bezahlen lassen. Die Lizenzkosten für ein vernünftiges Cookie-Handling-Plugin hätten für mich beim Doppelten der Webspace-Miete gelegen und da ist für mich einfach eine Schmerzgrenze überschritten.
Ich will hier meine Gedanken in die Welt schreiben und euch hoffentlich etwas Unterhaltung und vielleicht Wissenszuwachs bescheren. Natürlich kosten so ziemlich alle Hobbies Geld, aber man muss es nicht übertreiben.

Der Verzicht auf den Rückweg, also letztlich die Kommentarfunktion, den so eine statische Site mit sich bringt, ist natürlich für manche schon immens. Aber wenn ich mir ansehe, wie viele Kommentare ich auf den vorigen Versionen hatte, die kein Spam waren, macht das nicht viel aus. Und die Kommentare zu moderieren, also den Spam raus zu halten, war auch immer wieder ein gewisser Aufwand.
Ich überlege noch, ob es Sinn hat, mir eine Möglichkeit zu überlegen, das abzubilden. Bis dahin findet ihr meine Mail-Adresse im Impressum, für den Fall, dass ihr mir Feedback geben wollt.

Kurzum: Ohne Wordpress zu arbeiten fühlt sich deutlich freier an.
Habe ich nun etwas gegen Wordpress? Nein, absolut nicht. Es gibt durchaus gute Gründe, aus denen man auf dieses System setzen kann und sollte. Aber man muss sich einfach bewusst machen, dass es Alternativen gibt und was man sich je nach Lösung ans Bein bindet, und dann bewerten, ob es das wert ist.
Für mich, der sich lieber auf den Inhalt und den Spaß an der Sache konzentrieren will, ist es das einfach nicht.

Und damit entlasse ich euch nun in den Abend. Habt einen schönen ebensolchen!